Schmerzpraxis Dr. Böck - Der mündige Patient

Der mündige Patient

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Der mündige Patient? Ein Phantom!


In allen Medien ist vom “mündigen Patienten” die Rede; von Selbsthilfegruppen, Kostenträgern und dem Gesundheitsminister wird er seit Jahren unablässig propagiert: Der mündig auftretende, autonom handelnde und zur eigenen Urteilsbildung befähigte Patient.

Die spannende Frage ist: Kann ich ein mündiger Passagier sein, wenn ich in ein Flugzeug steige? Oder bin ich ein mündiger Stromverbraucher, wenn ich den Stecker in die Steckdose stecke? Bin ich ein mündiger Autokäufer, wenn ich nach einer Probefahrt und dem Studieren der Prospekte beim Händler ein neues Auto kaufe?

Die berufliche Professionalisierung bringt es zwangsläufig mit sich, dass der, der diese Profession nicht besitzt, nicht “mündig” sein kann. Mündigkeit würde eine Symmetrie in der Interaktion zur Folge haben, die es in der Welt des professionalisierten Berufs nicht geben kann. Um beim vorgenannten Vergleich zu bleiben: Wem würde es einfallen, mit dem Piloten über die Wahl der Flugroute oder die Menge des Treibstoffs für einen Flug zu diskutieren, auch wenn er zu Hause intensiv am Flugsimulator trainiert hat?

Die Zumutung des Begriffs “mündig” ist für den Patienten noch wesentlich grösser als beim Passagier im Flugzeug, weil der Passagier in aller Regel freiwillig fliegen will und der kranke Mensch wegen einer Krankheit den Arzt aufsuchen muss. Hier wird Verantwortung für sich selbst mit Autonomie und Mündigkeit, also der Fähigkeit zur eigenen Urteilsbildung verwechselt. Der auf diese Weise plötzlich “mündig” gewordene Patient merkt gar nicht, dass er durch diese angebliche Mündigkeit eine Verantwortlichkeit für sich selbst politisch verordnet bekommt, die die professionellen Akteure aus dieser Verantwortung entlässt.

Der mündige Patient? Er ist Zerrbild einer fehlgeleiteten Gesundheitspolitik und unzähliger gescheiterer Gesundheitsreformen. Der kritische Patient ist gefragter denn je ...

Erfolgreiche Schmerztherapie braucht den vertrauensvollen Dialog, gegenseitige Empathie und die Gewissheit, dass beide Akteure sich auf der Ebene ihres Handelns verantwortlich verhalten.
 


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